Bestand F - Umbau mit besonderen Anforderungen
Barrierearme Anpassung von Bad und Wohnraum unter hohem Zeitdruck –
funktional präzise geplant und gestalterisch selbstverständlich in den Bestand integriert.
Bestand F entstand aus einer kurzfristig veränderten Nutzungssituation, die schnelle und zugleich weitreichende Eingriffe in das bestehende Wohnhaus erforderlich machte. Innerhalb weniger Tage wurde die Planung für den vollständigen Umbau des rund 4,5 m² großen Badezimmers entwickelt. Bereits eine Woche nach dem Entschluss zum Umbau begannen die Arbeiten vor Ort - drei Wochen später war das Bad weitgehend fertiggestellt.
Im Mittelpunkt stand die barrierearme Neuorganisation des kleinen Raumes. Die Türöffnung wurde verbreitert, um einen komfortablen Zugang mit Rollator oder Rollstuhl zu ermöglichen. Trotz der begrenzten Fläche konnte im Zentrum des Bades eine freie Bewegungsfläche von knapp 1,50 m geschaffen werden. Die bodengleiche Dusche und gezielt positionierte Halte- und Stützelemente unterstützen die Nutzung, ohne den Raum gestalterisch zu dominieren.
Die neuen großformatigen Fliesen greifen die warme Farbigkeit der rund 33 Jahre alten angrenzenden Bodenbeläge auf, interpretieren diese jedoch ruhiger und zeitgemäßer. Eine zurückhaltende Tapete ergänzt die mineralischen Oberflächen und sorgt dafür, dass trotz der funktionalen Anforderungen ein wohnlicher Raum entsteht.
Vom Entwurf zur Umsetzung
Der Entwurf entstand innerhalb weniger Tage vollständig digital. Neben der räumlichen Neuorganisation dienten die Visualisierungen dazu, Materialität, Farbigkeit und die Wirkung der einzelnen Elemente frühzeitig aufeinander abzustimmen.
Die Planung sah zunächst schwarze Armaturen und Beschläge als bewussten Kontrast zur zurückhaltenden Materialwelt vor. Aufgrund der extrem kurzen Vorlaufzeit und eingeschränkter Produktverfügbarkeiten musste dieser Ansatz während der Umsetzung angepasst werden. Die kurzfristig verfügbaren Chromoberflächen fügen sich zurückhaltender in den Bestand ein und ermöglichten es, den eng gesteckten Bauzeitenplan einzuhalten.
Gerade bei Projekten unter hohem Zeitdruck gehört es für mich zur Planung, zwischen gestalterischem Ideal und tatsächlich realisierbarer Lösung abzuwägen - ohne dabei die übergeordnete Idee des Entwurfs aus den Augen zu verlieren.
Ausgangssituation und Eingriff
Das bestehende Badezimmer entsprach weder räumlich noch technisch den neuen Anforderungen. Insbesondere die hohe Duschtasse und die schmale Türöffnung erschwerten eine barrierearme Nutzung.
Für den Umbau wurde das Bad deshalb vollständig bis auf den Rohbau zurückgeführt. Bodenaufbau, Estrich und bestehende Fußbodenheizung wurden entfernt, notwendige Wasserleitungen und Elektroinstallationen erneuert und eine neue Fußbodenheizung mit anschließendem Estrichaufbau hergestellt. Ergänzt wurden eine neue Trockenbaudecke sowie vollständig neue Wand- und Bodenoberflächen.
Der weitreichende Eingriff in die vorhandene Substanz ermöglichte es, den kleinen Raum innerhalb kürzester Zeit grundlegend neu zu organisieren und technisch wie gestalterisch auf die veränderte Nutzung auszurichten.
Vom Büro zum Pflegezimmer
Noch während der laufenden Badsanierung entstand eine zweite, ebenso kurzfristige Aufgabe: Ein bestehendes Büro musste innerhalb von nur zwei Wochen in ein Pflegezimmer umgewandelt werden.
Auch hier sollte die notwendige neue Funktion den wohnlichen Charakter des Hauses nicht verdrängen. Die Elektroinstallation wurde angepasst, der vorhandene Boden aufgearbeitet und die Wandoberflächen vollständig überarbeitet. Eine einzelne tapezierte Wand setzt einen ruhigen gestalterischen Akzent, während Vorhänge und textile Elemente dem Raum zusätzliche Wohnlichkeit verleihen.
Das kurzfristig organisierte Pflegebett wurde bewusst in einer Holzoptik gewählt, die sich an den vorhandenen Kirschbaummöbeln des Hauses orientiert. So fügt sich auch ein funktional notwendiges Möbel möglichst selbstverständlich in die bestehende Einrichtung ein.
Planung mit dem Bestand
Auch für das Pflegezimmer wurde die geplante Gestaltung vor der Umsetzung visualisiert. Im Vordergrund stand weniger eine vollständige Neugestaltung als vielmehr die Frage, wie sich die neue Nutzung mit möglichst gezielten Eingriffen in den vorhandenen Raum integrieren lässt.
Bestehende Elemente wurden deshalb bewusst erhalten und weiterverwendet. Neue Oberflächen, Textilien und funktionale Ergänzungen wurden so gewählt, dass ein ruhiges Gesamtbild entsteht und der Raum trotz seiner neuen Aufgabe weiterhin als Teil des privaten Wohnhauses wahrgenommen wird.
Bestand als Ausgangspunkt
Vor dem Umbau wurde der Raum als Büro genutzt. Die vorhandene Grundstruktur und insbesondere der Boden boten jedoch eine gute Grundlage für die neue Nutzung, sodass kein vollständiger Rückbau notwendig war. Stattdessen konzentrierte sich der Eingriff auf die gezielte Aufarbeitung und Anpassung des Bestands.
Bestand F zeigt damit zwei sehr unterschiedliche Formen des Umbaus: den tiefgreifenden technischen und räumlichen Eingriff im Badezimmer und die behutsame Transformation eines bestehenden Wohnraums. Beide verbindet derselbe Anspruch – auf veränderte Anforderungen schnell und präzise zu reagieren und dabei Lösungen zu entwickeln, die funktional notwendig sind, sich gestalterisch aber so selbstverständlich wie möglich in ihr Umfeld einfügen.